Ein erneuter Blick auf die Juden

In den letzten beiden Betrachtungen haben wir nochmals schmerzlich gesehen, daß die Juden keinen organischen Weg zur Erkenntnis Jesu als des Messias fanden. Daß der Übergang, bzw. die Erfüllung des bisherigen Weges in der Nachfolge des Gottessohnes nicht nur möglich war, sondern auch tatsächlich geschah, zeigte sich bei den Aposteln des Herrn und bei jenen, die zum Glauben gefunden hatten. Besonders deutlich wurde dies beim heiligen Paulus, der aus den gelehrten Kreisen des Judentums stammte und seine Bekehrung und Erleuchtung als große Gnade erlebte. Gott war mit Vollmacht am Werk und bestätigte seinen Sohn auch durch Zeichen und Wunder. Da dies aber nicht erkannt wurde und stattdessen die Entfremdung immer größer wurde, gab es keinen gemeinsamen Weg mehr. Die Folge war der Ausschluß der Bekenner des Messias nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. und der Neuorganisation des Judentums.

So traurig das sein mag, war diese Trennung wohl unvermeidlich, denn die Anerkennung des Gottessohnes als des Messias war das entscheidende Moment und wird es auch bleiben, welches die Türe der Gnade für die Menschheit öffnet. Die Antwort, ihm zu folgen, ist das entscheidende Moment, damit die Gnade, die der Gottessohn auf die Erde gebracht hat, die Menschen erreichen kann.

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Der Schmerz des Paulus um seine Brüder und der Ausschluß der Judenchristen aus der Synagoge!

Wir haben in der gestrigen Betrachtung auf die Kirche geschaut, wie sie sich – trotz aller Widerstände – ausbreiten konnte und hörten den Lobpreis des heiligen Irenäus, der Einheit der Lehre in der Kirche rühmte und unterstrich, daß ihr das Licht Gottes anvertraut wurde, das nun die Völker erleuchten sollte. Die zitierte Passage aus seiner Schrift endete mit den schönen Worten:

“Überall predigt die Kirche die Wahrheit, sie ist der siebenarmige Leuchter (Ex 25,31.37), der Christi Licht trägt.”

Am Ende des Textes fiel der Blick noch einmal auf die Juden. Ich habe die Hoffnung ausgedrückt, daß sie – und es sei hinzugefügt: nach furchtbar viel Leid in ihrer Geschichte – den Messias noch erkennen werden. Dies wäre ein Segen für alle! So schloß ich die gestrige Betrachtung ab. Mit dieser Aussage beziehe ich mich auf ein Wort des Völkerapostels Paulus, das wir immer wieder in Erinnerung rufen sollten.

“Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist: Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz. Ja, ich möchte selber verflucht und von Christus getrennt sein um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind. Sie sind Israeliten; damit haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus, der über allem als Gott steht, er ist gepriesen in Ewigkeit. Amen.” (Röm 9,1–5)

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Die Kirche als Lehrerin der Völker

Liturgisch gesehen ist noch die Zeit, in der der auferstandene Herr Jesus bei seinen Jüngern ist, um sie im Glauben an seine Auferstehung zu festigen und sie auf das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten vorzubereiten. Pfingsten verstehen wir als den Gründungstag der Kirche, die gemäß unserem Glauben Christi Leib ist, gegründet auf dem Fundament der Propheten und seiner Apostel. Sie ist jenes Israel, das den als den verheißenen Messias erkannt hat, der gekommen ist, um sein Volk zu erlösen. Alle, die die Stunde des Heils erkannten und die Gnade Gottes annahmen, traten in den Dienst des Erlösers und wurden so zu Zeugen Christi.

Bis zum Pfingstfest verbleiben uns noch dreißig Tage, in denen es passend ist, einige Betrachtungen über die Kirche einzufügen: die eine, heilige, katholische Kirche, die aus Juden und Heiden hervorgegangen ist und durch die Jahrhunderte hindurch berufen ist, als Lehrerin der Völker das Heil in Christus zu vermitteln.

Gott hat ein großes Werk in Gang gesetzt, um Menschen aus allen Völkern zum Glauben zu führen, sie auf diese Weise zu sammeln und in sein Reich heimzurufen. Es war sein auferstandener Sohn, der seinen Jüngern in Galiläa – wie wir es im Evangelium hören – folgenden Auftrag gab:

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Nachtrag zum Heiligen Georgius

Die gestrige Betrachtung hat uns die Geschichte des heiligen Georg nach der Legenda Aurea nahegebracht. Er hat die Prinzessin, die einem Drachen geopfert werden sollte, in der Kraft des Herrn errettet. Daraufhin wandte sich die vom Drachen befreite Bevölkerung dem christlichen Glauben zu. Meine Betrachtung endete mit dem Satz: Diese Geschichte wirft die Frage auf, was es denn heute mit dieser Welt auf sich hat, die sich immer mehr von Christus abwendet. Übt dieser Drache seine Herrschaft über die Menschen auf verschiedenen Wegen wieder aus?

Dieser Frage gilt es, heute etwas nachzugehen. Wer Augen hat zu sehen, wird nicht übersehen können, daß die Welt unter einem starken Einfluß des Bösen steht und somit in Abhängigkeit vom Drachen steht. Diese Abhängigkeit der Menschen bedurfte in der Geschichte des Heiligen Georg der Befreiung durch Christus.

Der Drache, der für die Macht des Bösen steht, wird in der Heiligen Schrift sehr deutlich benannt. In der Apokalypse heißt es:

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»Der Drachenbezwinger und Märtyrer« *um 280 inKappadozien – †305 in Lydda

Es gibt wohl wenige Heilige, die so bekannt sind und um die sich so viele Geschichten und Legenden ranken, wie um den heiligen Georg, den wir heute feiern. Er wird in der Christenheit hoch verehrt und auf Gemälden oft als Drachentöter dargestellt. In Bezug auf die Tötung des Drachens rankt sich folgende Geschichte um ihn, die ich in gekürzter Form der »Legenda Aurea« von Jacobus de Voragine entnehme:

“Georgius, der Ritter (war geboren von kappadozischem Geschlecht), kam einst in das Land Lybia, in die Stadt Silena. Nahe bei der Stadt war ein See, so groß als ein Meer, darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Die Bürger der Stadt – noch Heiden – opferten ihm täglich zwei Schafe. Als die Zahl der Schafe immer weniger wurde, ging man dazu über auch Menschen zu opfern, und loste aus, wer dafür bestimmt würde. Das Los fiel auch auf die Tochter des Königs. Diesem bis ins Innerste erschüttert, gelang es nicht, seine Tochter zu schützen, denn das Volk drohte ihm an, ihn und sein Haus zu verbrennen, wenn er sich nicht an das Gesetz hielt, das er selbst gegeben hatte.

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Nachbetrachtung zum heiligen Konrad von Parzham: “Die Vertrautheit mit Gott”   

Wir haben gestern sicherlich über den heiligen Konrad gestaunt, dessen Leben so fruchtbar wurde und der seinen gewiß anstrengenden Pförtnerdienst ganze einundvierzig Jahre lang, bis drei Tage vor seinem Lebensende, durchführte. Die Pilger nach Altötting konnten durch ihn eine große Gottesnähe erfahren. Bruder Konrad hat uns selbst manches von seinem »Geheimnis der Liebe« mitgeteilt, das ihn mit Gott so innig verbunden hat.

Eines ist es, dankbar ein solches Leben zu bewundern und den Herrn dafür zu preisen. Ein anderes ist es, dem Heiligen selbst zu danken, daß er so gut auf unseren himmlischen Vater gehört und ihm und den Menschen gedient hat. Auch ist es hilfreich, ihn zu bitten, für unseren Weg der Nachfolge Christi zu beten. Doch wir können noch einen Schritt weitergehen. Wie vermögen wir das Leben der Heiligen für uns fruchtbar zu machen?

Es geht wohl darum, auch die Quelle zu finden, von der Bruder Konrad reich beschenkt wurde, sodaß Ströme lebendigen Wassers von ihm in diese Welt flossen. Der Heilige drückt es in seiner liebenswürdigen Art ganz einfach aus, wie wir leben sollten:

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DER HEILIGE BRUDER KONRAD VON PARZHAM: »Ein Apostel der Heiligkeit«      

Nach den Osterbetrachtungen und einem Blick auf die »letzten Dinge« biege ich heute mit meinen täglichen Betrachtungen sozusagen in die liturgische Osterzeit ein. Gerne möchte ich fortsetzen, was ich in früheren Veröffentlichungen bereits begonnen habe, nämlich des Öfteren einen Blick auf die Heiligen des Tages zu werfen. Dabei müssen es nicht immer diejenigen sein, die in der Tagesliturgie gefeiert werden, sondern es können auch weniger bekannte Heilige sein, die nur regional verehrt werden, jedoch in den Heiligenverzeichnissen aufgeführt sind.

Die Heiligen sind wahrlich Zeugen des Evangeliums, ob sie nun äußerlich große Werke vollbracht haben oder ob ihre Heiligkeit mehr im Verborgenen erblüht ist. Sie sind ein unermeßliches Geschenk für die Kirche und somit für die ganze Menschheit. Nur Gott allein weiß, welche Gnaden durch ihr Leben für die Menschheit frei geworden sind.

Heute schauen wir auf den heiligen Bruder Konrad von Parzham, von dem das folgende bemerkenswerte Wort stammt:

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