Existenzielle Umkehr

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Der Ruf zur Umkehr erklingt in der ganzen Heiligen Schrift!

Er ist die sorgende Liebe Gottes, daß der Menschen sein Leben nicht im Einklang mit ihm vollzieht und daher den Sinn seines Daseins nicht erfaßt! Dabei verschweigt die Schrift nicht, daß der Mensch sogar sein Ewiges Ziel nicht erreichen und für immer verlorengehen kann!

Die Umkehr zu Gott ist sowohl ein Anspruch der Liebe, als auch der Wahrheit! Gott hat uns aus Liebe ins Dasein gerufen und zur vertrauten Gemeinschaft mit ihm bestimmt! Die kurze Episode aus dem Buch Genesis (vgl. Gen 2,15-25), die uns den vertrauten Umgang zwischen Gott und Mensch im Paradies zeigt, erinnert uns an den ursprünglichen Plan Gottes mit dem Menschen, der dann durch den Sündenfall ein andere Wendung nahm (vgl. Gen 3)!

Der Ruf zur Umkehr ist eine Forderung der Wahrheit, denn nur der Schöpfer selbst weiß, unter welchen Bedingungen das menschliche Leben gelingen kann! Jedes Abweichen von Gott und den Geboten verstößt nicht nur gegen die Liebe, sondern auch gegen die Wahrheit, weil der Mensch dann nicht den Bedingungen seines Daseins entspricht! Er lebt in einer Illusion, ohne daß ihm dies oft bewußt ist! Er erwacht aus dieser, wenn er aufrichtig nach der Wahrheit sucht, denn: „wer sucht, der findet und wer anklopft, dem wird geöffnet (Mt 7,8).“

Für diejenigen, die den Glauben an den Herrn schon angenommen haben und bewußt vollziehen, wird es zum großen Anliegen, daß auch andere Menschen diese Erfahrung der Liebe Gottes machen und zur Wahrheit erwachen! Wir wollen als „bekehrte Menschen“ anderen helfen, Gott kennenzulernen! Anders und schöner ausgedrückt: Im Zusammenwirken mit Gott, suchen wir nach seinen Kindern, die er nach Hause rufen möchte!

Ohne Zweifel wird dies umso fruchtbarer sein, je tiefer unsere Umkehr ist, denn umso mehr erfahren die Menschen dann auch durch uns Gottes Güte! Deshalb ist unsere Umkehr nicht nur für unsere eigene Heiligung wichtig sondern auch für die anderen Menschen! Sie ist eine lebendige Botschaft für jene, die sie lesen wollen, und wird so zur Einladung!  Sie hilft, die Finsternis zu vertreiben und den Sieg des Lammes zu vergegenwärtigen!

Aber die Umkehr ist nicht nur für uns, für die anderen Menschen und im gewissen Sinn sogar für die Schöpfung wichtig! Sie ist eine wunderbare Antwort, die wir Gott auf seine Liebe geben können! Es ehrt unseren Herrn, wenn er sieht, daß wir versuchen, alles zu tun, was an uns liegt, um seiner Liebe und Heiligkeit zu entsprechen!

All dies ist Grund genug, sich mit der Bekehrung zu beschäftigen und zu schauen, ob wir diese Umkehr schon tief genug vollzogen haben und welche Richtung wir auf dem Weg der Nachfolge zu gehen haben, damit Gott sein Werk vollenden kann, was er begonnen hat!

Allgemein sagt man, daß die Umkehr zu Gott dann geschieht, wenn man sich vom Weg der Sünde abwendet und versucht, Gottes Willen zu tun! Das ist ohne Zweifel richtig! Doch um unseren geistlichen Stand in Bezug auf die Umkehr genauer anzuschauen, ist es gut, diese Aussage etwas gründlicher zu betrachten!

Pater Sladek OSA gibt zu diesem Thema in einem Aufsatz folgendes zu bedenken:

„Wohl bei den meisten Priestern, Ordensleuten und kirchentreuen Christen ist die Vorstellung verbreitet, daß die geforderte Umkehr doch „grundsätzlich“ bereits hinter ihnen liege. Sie verweisen dabei auf die Sakramente, die ihnen den Gnadenstand geschenkt haben, auf ihre religiösen Übungen und ihr Bemühen, die Gebote Gottes zu beobachten, vor allem auf ihre Weihe an Gott durch Priestertum und Ordensprofeß, vielleicht auch auf ihr Apostolat und die damit verbundenen Opfer. Ihre täglichen Fehler und Sünden deuten sie als Zeichen, daß sie eben die vollkommene Liebe noch nicht erlangt haben oder daß der Mensch gelegentlich und vorübergehend auch seine Hingabe an Gott zurücknehmen könne.“

Offensichtlich hat also P. Sladek noch etwas anderes im Blick, wenn er von Umkehr spricht! Er meint eine Umkehr, die sich Gott ganz übergeben und geschenkt hat und somit eine existenzielle Umkehr ist, die normalerweise nicht mehr rückgängig gemacht wird!

So hören wir eine weitere Überlegung von P. Sladek:

„Nach dem Neuen Testament sind lebendiger Glaube und wahre Gottesliebe nur in Verbindung mit einer wirklich vollzogenen Umkehr möglich. Ein Glaube ohne wirkliche Umkehr aber ist „tot“ (vgl. Jak 2,26), ist ein bloßer Inhalt des bewußten Denkens, ein „Leerformel“, die das Wollen und Tun des Menschen nicht leitet, sein Leben in keiner Weise wirklich „durchdringt“.

 Ein wesentliches Kennzeichen, ob wir die Umkehr wirklich ganz vollzogen haben, ist, ob unser Leben schon ganz davon durchdrungen ist! Schauen wir, soweit es uns möglich ist, mit dem Blick des Herrn auf unser Leben?

Freuen wir uns an der Umkehr? Wollen wir andere Menschen werden?

Nehmen wir an diesem 2. Februar 2019, an dem die Kirche an die Darstelllung des Herrn im Tempel denkt und die Weihnachtszeit nach der früheren Ordnung ein Ende findet, noch eine geistliche Hausaufgabe mit und hören dem hl. Paulus zu:

„Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“( Eph. 4.22-23)

Dietrich v. Hildebrand sagt dazu:

„Am Anfang alles wahren christlichen Lebens muß daher die tiefe Sehnsucht stehen, ein“neuer Mensch“ in Christus zu werden, und die innere Bereitschaft, den “ alten Menschen“ auszuziehen – die  Bereitschaft, grundsätzlich ein anderer Mensch zu werden.“

Wollen wir das?